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ARTIKEL Die finnische Oper |
Beginn einer neuen ÄraFoto: Paul Williams Das neue Opernhaus in Helsinki wurde 1993 fertig gestellt. 1993 erhielt die finnische Oper mit der Eröffnung des Helsinkier Opernhauses endlich eine Bühne, die ihrer Bedeutung angemessen war und die Inszenierungen großen Stils ermöglichte. Dies gab dem Entstehen einer fruchtbaren Gegen- oder besser Parallelkultur Auftrieb: kleine und professionelle Opernensembles, die nach einem neuen Opernausdruck strebten. Die Entwicklung führte zur inhaltlichen Erneuerung der Opernkunst. Die Ensembles erweckten eine in Vergessenheit geratene Form der Oper zum Leben – die Kammeroper. So bekamen auch viele junge Komponisten die Gelegenheit, sich im Schreiben einer Oper zu versuchen. Die erste Uraufführung im neuen Opernhaus war 1995 Der singende Baum (Det sjungande trädet, 1988) von Erik Bergman (geb. 1911). In vielen früheren Vokalwerken hatte Bergman, ein Pionier der finnischen Avantgarde, die menschliche Stimme vorurteilsfrei und mit großer Innovationsfreude eingesetzt, und Der singende Baum wurde eine große Synthese des Gesamtwerks von Bergman, eines gewandten Vokalkomponisten, espritvollen Koloristen und guten Kenners von Märchen und Mythen. Der vielseitige Musiker und Komponist Jukka Linkola (geb. 1955) komponierte seine erste Oper für das Fernsehen. Angelika (1991) ist eine Schwindel erregende Reise in die geheimen Winkel des Geistes. Linkolas zweite Oper Elina (1992) basiert auf einer Volkssage. Das Werk ist eine Aneinanderreihung traumartiger Ereignisse, ein Kaleidoskop von Farben und Erscheinungen. Linkolas letzte Oper Das Land der erfüllten Wünsche (Reise) (Täyttyneiden toiveiden maa (Matka), 1998) ist lyrischer als Elina, und es beinhaltet mehr gesangliche Elemente, darunter vollwertige Arien. Kimmo Hakola (geb. 1958) hat zwei Kammeropern geschrieben. Die Meistersänger vom Mars (Marsin mestarilaulajat, 2000) mit dem Untertitel »Niemand hört deinen Gesang im Weltraum«, ist eine unterhaltsame Besonderheit der finnischen Opernliteratur. Als Vorlage dienten Comics und sie ist mit ihrem absurden Humor eine der originellsten Opern, die je in Finnland geschrieben wurde. Das Thema von Hakolas zweiter Oper ist ernster. Senfsamen (Sinapinsiemen, 2000) behandelt das Leben eines religiösen Denkers und Dissidenten, der im 18. Jahrhundert in der mittelfinnischen Provinz lebte. Mikko Heiniös (geb. 1948) Kirchenoper Der Ritter und der Drache (Riddaren och draken, 2000) wurde für die 700-Jahr-Feierlichkeiten des Doms zu Turku bestellt. Die Oper zeichnet sich durch die für Heiniö typische Mischung von Stilen und Techniken aus. Foto: Maarit Kytöharju Die Komponistin Kaija Saariaho. Kaija Saariahos (geb.1952) erste Oper L'amour de loin (Liebe aus der Ferne, 2000) ist die bedeutendste ausländische Auftragsarbeit der finnischen Operngeschichte. Das Werk wurde von den Salzburger Festspielen und dem Théâtre du Châtelet für die Festspielsaison 2000 bestellt. Die Oper war ein Riesenerfolg. Saariaho wurde dafür unter anderem der Grawemeyer-Kompositionspreis verliehen, der zu den wichtigsten Musikpreisen der Welt zählt. Das Thema der französischsprachigen Oper ist die Beschreibung einer mittelalterlichen Liebe. In der Oper gibt es nur drei Solisten, und in ihr werden die geistige und physische Liebe, Europa sowie die Töne des Orients miteinander verflochten. Die Oper führt die Thematik von Wagners Tristan und Isolde und Debussys Pelléas et Mélisande fort und geht als Kunstform von den selben Ausgangspunkten aus wie Olivier Messiaes Saint François d'Assise. Saariahos vergeistigte, getragene Musik ist sehr reich an Farben und Bildern. Außer in Salzburg ist L'amour de loin unter anderem in Paris, in der Schweiz, in den USA und in Deutschland aufgeführt worden. Der internationale Erfolg von Kaija Saariahos Oper hat bereits die Erfolge von Aulis Sallinen, Joonas Kokkonen und Einojuhani Rautavaara übertroffen.
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