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Sibelius-Gedenktafel wird in Wien enthüllt -- diesmal am richtigen Haus. von Dr. Peter Kislinger Mehr als 50 Jahre befand sich die Gedenktafel am falschen Haus in der Wiedner Hauptstraße. Am 15. Mai enthüllen die Botschaft von Finnland und die Wiener Philharmoniker die Gedenktafel am nunmehr historisch belegten Haus. Die Wiener Philharmoniker ließen 1951, noch zu Lebzeiten von Jean Sibelius (1865 - 1957), am Haus Wiedner Hauptstraße 36 / Waaggasse 2 im 4. Wiener Gemeindebezirk eine Gedenktafel zur Erinnerung an dessen Aufenthalt in Wien vom Oktober 1890 bis Juni 1891 anbringen. Tatsächlich aber hatte der finnische Komponist, wie der Musikhistoriker Markku Hartikainen mit Hilfe des Ö1-Moderators Peter Kislinger herausfand, eine Wohnung im Haus Ecke Waaggasse 1 (Ecke Wiedner Hauptstraße 38) gemietet. PräludiumAm Samstag, den 15. Mai 2004 um 15 Uhr wurde die alte Gedenktafel, ergänzt um eine neue mit zusätzlichem Text, vom Botschafter der Republik Finnland, SE Tom Grönberg, und dem Vorstand der Wiener Philharmoniker, Prof. Dr. Clemens Hellsberg, neben dem Eingang des Hauses Waaggasse 1 enthüllt. Im Rahmen einer kleinen Feier spielte ein Bläserensemble der Wiener Philharmoniker vor etwa 60 Versammelten u.a. Musik von Jean Sibelius, die in Wien entstanden war. Peter Kislinger beschreibt den Weg, der zur nicht eben alltäglichen Tafelübersiedlung führte. Die Wieden - Wiege der finnischen KunstmusikDas "Conservatorium der Wiener Musikfreunde" war es, das 1890 einen jungen Komponisten "aus dem Norden" nach Wien zog. Gewohnt hat er auf der Wieden, im 4. Wiener Gemeindebezirk. Eine Gedenktafel am Haus Wiedner Hauptstrae 36 erinnerte seit 1951 daran. Als der 25-jährige Jean Sibelius am 25. Oktober in Wien eintrifft, hat er im Gepäck schon über 100 z. T. größere Musikstücke, meist im Stil der Wiener Klassik. In Wien, der "Hauptstadt der Musik", wie er schreibt, will sich Sibelius den letzten Schliff holen. Er möchte bei Brahms oder Bruckner studieren, nimmt dann aber bei Carl Goldmark und Robert Fuchs Privatunterricht und knüpft allerlei Kontakte. Für ein im Jänner anberaumtes Vorspiel bei Professor Jakob Moritz Grün (Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und des Hofopernorchesters) übt er, neben den Kompositionsstudien, Violine, scheitert aber; auch das offizielle Probespiel bleibt ohne Erfolg. Am 8. Juni 1891 reist Sibelius ab. Abgesehen von zwei kurzen Aufenthalten im Zuge größerer Reisen sind keine weiteren Aufenthalte in Wien belegt. (Vgl. www.sibelius.fi) Er besucht, auf der Durchreise von Dresden kommend, am 27. Juni 1897 in Wien "alte Plätze", am Nachmittag oder Abend den Prater; schon am nächsten Tag schreibt er eine Korrespondenzkarte aus Graz; der zweite Aufenthalt ist mit 28. März 1901 datiert). 1951 wurde nach einem Gastspiel der Wiener Philharmoniker mit Wilhelm Furtwängler in Helsinki und einem Besuch bei Sibelius in seinem Haus Ainola in Järvenpää, nahe Helsinki, dem mittlerweile vor allem wegen seiner sieben Sinfonien und Tondichtungen (etwa En saga, Lemminkäinen-Suite, Pohjolas Tochter, Tapiola) weltberühmten Komponisten eine Gedenktafel gewidmet: HIER WOHNTE 1890-91 JEAN SIBELIUS
DES FINNISCHEN FOLKES GROSSER SOHN Angebracht wurde die Tafel, die auch einen Kopf im Profil zeigt, der, abgesehen vom kahlen Haupt, wenig Ähnlichkeit mit dem jungen, auch nicht dem alten, Sibelius aufweist, am Haus Wiedner Hauptstraße 36. Denn, so die karge briefliche Auskunft des damals 86-Jährigen, er habe "neben dem Gluck-Haus" gewohnt. Was die Wiener Philharmoniker und der "Wiener Verkehrsverein" damals nicht wissen konnten: Als Absender hatte Sibelius in den Monaten seines Aufenthaltes allerdings immer fein säuberlich geschrieben: Waaggasse 1/ II/ 2 / 14. Seiner Verlobten Aino, seiner späteren Ehefrau, schrieb er: "Das Zimmer geht auf einen Innenhof, und das Haus ist fünfstöckig." Für die Untermiete bezahlte Sibelius seinem ungarischen Vermieter monatlich insgesamt 28 Gulden (inklusive zwei Mahlzeiten), 8 Gulden für das Klavier. (Der durchschnittliche Jahresmietzins betrug damals in Wien zwischen 100 und 160 Gulden; für ein Mittagessen in einem Restaurant mit "gut bürgerlicher Küche" musste 1 Gulden kalkuliert werden; für den selben Betrag konnte man sich auch 60 Semmeln oder ein Arztbesuch leisten.) Ein finnischer Sibelius-Forscher, Markku Hartikainen, kam nach Wien und fand seinen Verdacht bestätigt, dass Tafel und Wohnhaus nichts miteinander zu tun hatten. Ich habe daraufhin Stadtpläne eingesehen und bin den Hinweisen nachgegangen, durchaus im wörtlichen Sinne: Ich zählte Stockwerke, wagte mich in Hinterhöfe, fand in der Wiedner Hauptstraße 36 keine Tür 14, nicht im Erdgeschoß, auch nicht im 1., auch nicht im 2. Stock. Aber Waaggasse 1 - da passte alles. Dr. Hellsberg, der Vorstand der Wiener Philharmoniker, fand die Argumentation stimmig und erklärte sich bereit, die Übersiedlung der Tafel zu unterstützen. |
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