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Postludium: Wie Wienerisch war Sibelius?Mir wollten zwei Briefstellen des jungen Sibelius nicht aus dem Sinn. An den Freund Martin Wegelius schrieb er schon am 25.10.1890: "Denna luft gör mig galen. Walser surra i hufvudet på mig och alla likna de Schuberts." Und am 26.10.1890 an seine Verlobte Aino Järnefelt "Wien är alldeles en ort i min smak. Allt är så gladt och stort, ljust och klart." Diese beiden Textstellen ließ ich mir am 27. März 2004 im Café Sperl (also von Sibelius aus gesehen auf der anderen Seite des Naschmarktes) von kompetenter Hand übersetzen, von Gisbert Jänicke, dem Übersetzer von "Kalewala. Das Finnische Nationalepos von Elias Lönnrot." Dem Botschafter der Republik Finnland, SE Tom Grönberg, und dem Vorstand der Wiener Philharmoniker, Dr. Clemens Hellsberg, schlug ich vor, am Haus Waaggasse 1 eine Zusatztafel anzubringen, deren Text nun lautet:
Historisch nicht weniger korrekt, bedenkenswert und gedenktafelwürdig wäre ja auch eine andere Briefstelle gewesen, die von der Sibelius-Forschung nicht gebührend beachtet worden ist; belegt sie doch zweifelsfrei, dass Sibelius in Wien nicht nur Finnisch lernte, sich im Tonsatz perfektionierte und die finnische Kunstmusik begründete und hier zu einem der ganz großen Sinfoniker reifte, sondern keine zwei Monate benötigte, um Wienerisch zu erlernen. Er berichtet - schon deutlich weniger luftverrückt - am 18. Dezember 1890: In dieser Stadt erreicht man nichts, wenn man nicht intrigiert. Ich habe schon damit begonnen, und habe u.a. Freundschaft mit [Carl] Frühling geschlossen – er kennt hier jeden, den man kennen muss. Im Frühjahr trete ich dem Wiener Künstlerverein bei. Und dann werde ich intrigieren, lügen und mich einschmeicheln. Ich habe darin schon Übung. Einer solchen Revolutionierung der Wiener Gedenktafelkultur kam jedoch die Hausverwaltung zuvor: Die zusätzliche Tafel möge bitte eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Diplomatische Verstimmungen zwischen Helsinki und Wien konnten so erst gar nicht aufkommen. Der Vorstand der Wiener Philharmoniker nahm Markku Hartikainen und mir ein Versprechen ab: keine neuen Forschungen vor 2054. Literaturhinweise: Peter Kislinger; Dr. Phil. (promovierte 1993 mit einer Arbeit über Anthony Powells skandalöser Weise noch immer nicht ins Deutsche übersetze Romanwerk A Dance to the Music of Time);Lehrauftrag am Institut für Anglistik der Universität Wien; |
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